Newsletter 2026 – Ausgabe 4

„Herzlich willkommen! Mit diesem Newsletter möchten wir Sie ab sofort
mit aktuellen Informationen, hilfreichen Tipps und spannenden
Geschichten rund um die Pferdegesundheit Rhein-Main versorgen. Wir
haben viel vor – seien Sie gespannt!“

 

Herpes beim Pferd: Warum Impfen jetzt wichtiger denn je ist

Dr. Stephen Eversfield – Fachtierarzt für Pferde erklärt:

Die Equines Herpesvirus (EHV-1)-Infektion ist keine „Turnierkrankheit“, sondern eine ernstzunehmende, hochansteckende Viruserkrankung, die jeden Pferdebestand treffen kann – unabhängig von Nutzung oder Haltungsform. In den vergangenen Monaten beobachten wir wieder vermehrt Ausbrüche, teils mit schweren neurologischen Verläufen und leider auch tödlichem Ausgang. Parallel dazu ist die Impfbereitschaft spürbar zurückgegangen, seit die Herpesimpfung nicht mehr verpflichtend für den Turniersport ist. Diese Entwicklung sehen wir mit Sorge: Die Impfung schützt zwar nicht in jedem Fall vor einer Infektion, sie reduziert jedoch nachweislich die Virusausscheidung, die Erkrankungsschwere und damit das Risiko großflächiger Ausbrüche im Bestand erheblich. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Fälle ist die konsequente Herpesimpfung ein entscheidender Baustein im Bestandsmanagement und aktiver Infektionsprophylaxe. Unsere klare Empfehlung lautet daher: Schützen Sie Ihr Pferd und tragen Sie Verantwortung für den gesamten Bestand – lassen Sie die Herpesimpfung regelmäßig durchführen.

 

Gemeinsam stärker: Frau Hausmann und Frau Taddey über moderne Diagnostik im Rhein-Main-Gebiet

Zwei Kliniken, ein Ziel: das Wohl Deines Pferdes

Die Anforderungen an die moderne Pferdemedizin steigen stetig – insbesondere dann, wenn es um die präzise Abklärung komplexer orthopädischer Fragestellungen geht. Im Rhein-Main-Gebiet entsteht genau hier ein echter Mehrwert durch Zusammenarbeit:
Die Pferdegesundheit Rhein-Main (PGRM) und die Pferdeklinik Equitales (PKE) bündeln gezielt ihre diagnostischen Stärken – mit Szintigrafie am Standort der PGRM in Hattersheim und dem Stehend-MRT am Standort der PKE in Waldalgesheim. Beide Kliniken sind Teil des Partnernetzwerks der vezzgroup – ein Zusammenschluss von Tierkliniken und Praxen, der für Qualität, Spezialisierung und enge Zusammenarbeit steht. Diese Verbindung schafft die Grundlage für eine vernetzte Medizin, bei der Know-how und Ressourcen gezielt zusammengeführt werden.

Zwei Technologie – ein gemeinsames Ziel

Was beide Standorte verbindet, ist unser klarer Anspruch:
Für jedes Pferd die bestmögliche Diagnostik – unabhängig vom Ort der Untersuchung. Im Bedarfsfall greift die PGRM auf die MRT-Technologie der PKE zurück, während die PKE die Szintigrafie-Kompetenz der PGRM nutzt. Dieses partnerschaftliche Modell ermöglicht eine Diagnostik, die weit über das hinausgeht, was ein einzelner Standort leisten kann.

Stehend-MRT – Präzision ohne Vollnarkose

Die kernspintomographische Untersuchung am stehenden Pferd ist ein Meilenstein der modernen Bildgebung. Ohne die Risiken einer Vollnarkose liefert das MRT eine hochaufgelöste Darstellungen von Knochen und Weichteilen.

Untersucht werden können die Gliedmaßen vom Huf bis zum Carpus bzw. Tarsus. Besonders bei:

  • unklaren Lahmheiten
  • Sehnen- und Bandverletzungen
  • Gelenkproblemen

liefert das Stehend-MRT entscheidende Erkenntnisse und schafft eine fundierte Basis für die weitere Therapie.

Szintigrafie – wenn es um das „Warum“ geht

Während das MRT Strukturen sichtbar macht, zeigt die Szintigrafie am Standort PGRM, wo im Körper tatsächlich Aktivität stattfindet.

Ihre Stärken liegen insbesondere in:

  • Früherkennung: Veränderungen im Knochenstoffwechsel werden sichtbar, lange bevor sie im Röntgen erkennbar sind
  • Ganzkörperdiagnostik: Entzündungsherde („Hotspots“) können im gesamten Pferd lokalisiert werden
  • Zugang zu schwer untersuchbaren Bereichen: Rücken, Becken, ISG oder Kopf
  • Abklärung von Rittigkeitsproblemen: Aufdecken verborgener Schmerzursachen
  • Sicherheit: Nicht-invasives Verfahren mit bewährter Technologie

Damit ist die Szintigrafie ein unverzichtbares Werkzeug bei komplexen oder „versteckten“ Lahmheiten, da sie funktionelle Veränderungen sichtbar macht – nicht nur anatomische.

Der entscheidende Unterschied: Vernetzte Diagnostik. Der wahre Mehrwert entsteht im Zusammenspiel beider Verfahren:

Szintigrafie lokalisiert das Problem – MRT analysiert es im Detail

Diese Kombination ermöglicht:

  • schnellere und präzisere Diagnosen
  • zielgerichtete Therapieentscheidungen
  • weniger Belastung für Pferd und Besitzer

Ein starkes Signal für die Region. Die enge Zusammenarbeit zwischen der PGRM und der PKE steht für ein modernes Verständnis von Pferdemedizin:

Kooperation statt Konkurrenz – im Sinne der bestmöglichen Versorgung.

Für Pferdebesitzer bedeutet das: Zugang zu modernster Diagnostik, abgestimmt und vernetzt, ohne Umwege. Für Tierärzte: ein starkes Netzwerk, das fachlichen Austausch und Qualität fördert.

Fazit

Mit der Kombination aus Szintigrafie bei der PGRM in Hattersheim und Stehend-MRT bei der PKE in Waldalgesheim entsteht im Rhein-Main-Gebiet ein diagnostisches Niveau, das Maßstäbe setzt.

Zwei Standorte – ein Anspruch: das Beste für das Pferd

 

Embryotransfer beim Pferd – eine sinnvolle Option auch für den Hobbyzüchter?

Tierärztin Esther Wissent – Fachbeitrag zum Thema Reproduktionsmedizin bei der PGRM

Mit Beginn der Zuchtsaison werden wir in der Praxis wieder häufiger auf das Thema Embryotransfer angesprochen. Viele Pferdebesitzer verbinden damit vor allem größere Zuchtbetriebe – tatsächlich kann das Verfahren aber auch im kleineren Rahmen eine interessante Möglichkeit darstellen.

Was passiert beim Embryotransfer?
Die Spenderstute wird wie gewohnt besamt. Nach der Befruchtung entwickelt sich der Embryo und gelangt in die Gebärmutter. Etwa sieben bis acht Tage nach dem Eisprung wird die Gebärmutter gespült, um den Embryo zu gewinnen. Dieser wird im Anschluss unter dem Mikroskop beurteilt.

Wichtig zu wissen:
Es ist nicht zwingend erforderlich, dass zum Zeitpunkt der Embryospülung bereits eine Empfängerstute direkt vor Ort zur Verfügung steht. Der Embryo kann in ein sogenanntes Holding-Medium überführt und für einen begrenzten Zeitraum (in der Regel bis zu ca. 24 Stunden) aufbewahrt werden. Innerhalb dieses Zeitfensters sollte die Übertragung in eine geeignete Empfängerstute erfolgen – je früher, desto besser. In der Praxis arbeiten viele Züchter daher mit spezialisierten Betrieben zusammen, die Empfängerstuten im passenden Zyklusstadium bereitstellen.

Was bedeutet das konkret für Sie als Besitzer?
Der organisatorische Aufwand ist häufig geringer als zunächst angenommen. Eine eigene Empfängerstute ist nicht zwingend notwendig, da diese über entsprechende Betriebe gestellt werden kann.

Der größte Vorteil bleibt: Ihre Stute muss selbst keine Trächtigkeit austragen. Das kann z. B. sinnvoll sein:

  • bei sportlich genutzten Stuten
  • bei Stuten mit gesundheitlichen Einschränkungen im Hinblick auf eine Trächtigkeit
  • wenn gezielt mehr als ein Nachkomme geplant ist

Worauf kommt es bei der Empfängerstute an?
entscheidend ist vor allem:

  • ein gesunder Uterus
  • ein zum Embryo passendes Zyklusstadium
  • ein angemessenes Alter

Eine Empfängerstute muss nicht zwingend bereits mehrere Fohlen gehabt haben. Erfahrungsgemäß ist es jedoch vorteilhaft, wenn sie zumindest einmal erfolgreich gefohlt hat.

Wovon hängt der Erfolg ab?
In der Praxis zeigt sich, dass weniger das einzelne Verfahren als vielmehr das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entscheidend ist:

  • exaktes Timing rund um den Eisprung
  • eine unauffällige Gebärmutter bei der Spenderstute
  • eine gut vorbereitete Empfängerstute
  • ruhige und sorgfältige Durchführung aller Schritte

Gerade die Synchronisation der Zyklen ist dabei ein zentraler Punkt.

Was sollte man im Vorfeld bedenken?
Der Embryotransfer ist planungsintensiver als eine klassische Besamung und nicht in jedem Fall die erste Wahl. Eine individuelle Einschätzung der Stute sowie eine realistische Erwartungshaltung sind hier wichtig.

Unsere Einschätzung
Der Embryotransfer ist ein etabliertes und in vielen Fällen sehr sinnvolles Verfahren. Durch die Möglichkeit der kurzfristigen Zwischenlagerung des Embryos und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Empfängerstuten-Betrieben ist er heute auch für viele Hobbyzüchter gut umsetzbar.

Gerne besprechen wir mit Ihnen individuell, ob und wie ein Embryotransfer in Ihrem konkreten Fall sinnvoll eingesetzt werden kann.

Embryotransfer in 3 Schritten

1. Besamung & Überwachung
Die Spenderstute wird zum optimalen Zeitpunkt besamt. Der Eisprung wird dabei engmaschig per Ultraschall kontrolliert.

2. Embryogewinnung (Tag 7–8)
Die Gebärmutter wird gespült, der Embryo gewonnen und unter dem Mikroskop beurteilt.
Bei Bedarf kann er kurzfristig in einem Holding-Medium aufbewahrt werden.

3. Übertragung auf Empfängerstute
Der Embryo wird in eine passende, zyklisch synchronisierte Empfängerstute eingesetzt, die die Trächtigkeit übernimmt.

 

Wenn Dir unser Newsletter gut gefällt, freuen wir uns sehr, wenn Du ihn in Deinen Stallgruppen, Reitgemeinschaften oder an andere Pferdefreunde weiterleitest. So können auch diejenigen profitieren, die noch nicht registriert sind – und wir erreichen gemeinsam noch mehr Menschen, denen das Wohl der Pferde am Herzen liegt.

Mit den besten Wünschen
Euer Team der Pferdegesundheit Rhein-Main

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